Von WOLFGANG HÜBNER | Offensichtlich ist es in der ukrainischen Stadt Butscha zu einem grauenvollen Massaker an Zivilisten gekommen. In den deutschen Medien und bei Politikern herrscht offenbar kein Zweifel, wer die Verantwortung für dieses Massenverbrechen hat: Die zwischenzeitlichen russischen Besatzer der Stadt, die nach ihrem Rückzug dort viele Leichen hinterlassen haben. Medien wie Politik hierzulande übernehmen damit die ukrainische Darstellung des schrecklichen Geschehens.
Russland bestreitet energisch jegliche Verantwortung für die Tötung von Zivilisten und beschuldigt die ukrainische Seite der Inszenierung eines so zynischen wie mörderischen Propagandaverbrechens zur Beeinflussung des Auslands gegen Russland. Beide Versionen müssen unabhängig überprüft werden. Es gibt aus deutscher Sicht keinen Anlass und keinen Grund, sich ohne diese Überprüfung entweder für die ukrainische noch für die russische Version zu entscheiden. Wenn das trotzdem geschieht, ist das nur mit journalistischem Totalversagen oder politischem Kalkül zu erklären.
Das Verbrechen von Butscha wäre weiß Gott nicht das erste Kriegsverbrechen in der Geschichte, dessen Hintergründe und Verantwortlichkeiten sich späterhin nicht als diejenigen herausstellen, die es in Wahrheit waren. Bestätigt sich die ukrainische Version, hat sich die russische Seite mit einer Untat befleckt, die jegliche Rechtfertigung der kriegerischen Intervention in der Ukraine unheilbar beschädigt. Bestätigt sich die russische Version, dann hat sich die ukrainische Seite eines wahrhaft diabolischen Verbrechens schuldig gemacht.
Wer an einer unabhängigen Aufklärung kein Interesse zeigt, hat keine guten Motive, sondern dem ist an der Instrumentalisierung des Massakers mit unabsehbaren Folgen gelegen